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Donnerstag, 23. Mai 2019 Für Tesla scheint es diesmal wirklich ernst zu werden

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Es ist mehr als nur ein Gewitter mit Blitz und Donner, was sich in diesen Tagen über der Elektroauto-Fabrikation Tesla im kalifornischen Fremont entlädt. Auch über dem Kopf ihres Chefs Elon Musk in der Firmenzentrale auf der gegenüberliegenden Seite der Bucht von San Francisco braut sich etwas zusammen. Angebracht wäre es, von einem ausgewachsenen Tornado zu sprechen. Denn das Unternehmen sieht sich nicht nur gegenwärtig mit erheblichen finanziellen Problemen konfrontiert. Die wirtschaftlichen Aussichten sind alles andere als rosig, und zu allem Überfluss scheinen sogar einst überzeugte Tesla-Aktionäre das Vertrauen in ihre Kapitalanlage zu verlieren.

 

Noch haben die Pleitegeier nicht zum Sturzflug angesetzt, doch sie ziehen ihre Kreise immer enger und tiefer. Zwar stieg der Umsatz in den ersten drei Monaten dieses Jahres auf 4,54 Milliarden Dollar (4,1 Milliarden Euro) – über eine Milliarde mehr als im gleichen Zeitraum 2018. Doch im Vergleich zum vorherigen Quartal bedeutete das einen Rückgang von mehr als einem Drittel. Und wenn auch von Oktober bis Dezember 2018 noch ein, allerdings geringer Gewinn zu verzeichnen war, gab es seither nur tiefrote Zahlen. Im ersten Quartal 2019 gingen mehr als 700 Millionen Dollar (630 Millionen Euro) den Bach runter, denn Ende März waren statt der geplanten 76 000 Autos 13 000 weniger vom Band gelaufen.

Erst vor kurzem noch hatte Elon Musk mittels einer Kapitalerhöhung mehr als zwei Milliarden Dollar frisches Geld an der Börse eingesammelt. Nun fabrizierte er ein Rundschreiben an seine Mitarbeiter, das es in sich hat. Fortan, so hieß es, müsse mit allen Mitteln gespart werden. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtete, dass Tesla-Finanzchef kein Tabu auslassen würde und zitierte aus der Mail: „Alle Ausgaben jeglicher Art, einschließlich Teile, Gehalt, Reisekosten, Miete, buchstäblich jede Zahlung, die unser Bankkonto verlässt, muss überprüft werden, egal wie klein die Ausgaben sein mögen.“ Anderenfalls könne in spätestens zehn Monaten das Geld ausgehen.

Dass der Sparappell an der Börse alles andere als gut ankommt, liegt auf der Hand. Doch er gilt nicht als einziger Grund dafür, dass der Börsenkurs zurzeit bei um die 200 Dollar (180 Euro) herum dümpelt, so niedrig wie noch nie seit zwei Jahren. Mitte 2017 hatte eine Tesla-Aktie noch fast doppelt so viel gekostet. Stärker schlägt ins Tesla-Kontor, dass nun die etablierte Autokonkurrenz nicht nur in den USA, sondern vor allem auch in Europa sich mit Vehemenz auf die Elektromobilität gestürzt hat. Dem von Elon Musk vollmundig für einen Basispreis von 35 000 Dollar (31 500 Euro) angepriesene Model 3 fährt demnächst der Volkswagen ID3, für den es in der ersten Woche nach seiner Präsentation 15 000 Vorbestellungen gab, mit einem ähnlichen Preis in die Parade. Was BMW, Daimler, General Motors oder Ford an elektrisch betriebenen Personenwagen und SUVs in Vorbereitung haben, ist auch nicht von Pappe, ganz zu schweigen von den Japanern und Südkoreanern.

Auch mit Sicherheitsproblemen war Tesla ins Gerede gekommen. Vor zwei Monaten gab es bei einem Tesla, der im Auto-Pilot-Modus unterwegs war, einen Zusammenstoß mit einem Lkw. Es war bereits der dritte Unfall, bei dem der Fahrer seine Hände nicht am Steuer hatte. Ein weiteres Problem droht Tesla in Person des amerikanischen Präsidenten und dessen Wirtschafts- und Zollkrieg mit China. Eigentlich war Musks neue Gigafactory 3 im chinesischen Schanghai, wo ab Ende dieses Jahres das Model 3 für den riesigen chinesischen Markt produziert werden soll, als Garant für schwarze Zahlen herhalten. Doch wenn die gegenseitigen Bedrohungen anhalten, geraten solche Hoffnungen zur Makulatur.

Kein Wunder dass Börsenexperten nach und nach die Geduld mit Tesla verlieren. Nicht zuletzt auch deshalb, weil Elon Musk gerne mit großartigen Versprechungen an die Öffentlichkeit geht, um Pläne für neue Modelle zu verkünden. Er solle sich lieber auf das Tagesgeschäft mit seinem Model 3 konzentrieren, heißt es. Erst kürzlich hatte sich einer der größten Aktionäre von Tesla abgewendet. Die Investmentgesellschaft T. Rowe Price stieß im ersten Quartal gut 80 Prozent ihrer Tesla-Aktien ab. Lieferprobleme beim Model 3 und der Streit mit den Regulierungsbehörden wegen Musks umstrittener Tweets seien Auslöser gewesen.

Absolut schwarz für den Elektroautobauer sah jetzt der Aktienexperte Adam Jonas von der renommierten Investmentbank Morgan Stanley aus New York. Er geht davon aus, dass im schlimmsten Fall mit einem Absturz des Tesla-Kurses auf 10 Dollar (neun Euro) gerechnet werden müsse. (ampnet/hrr)

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