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Montag, 8. Juli 2019 Mercedes-Benz G400d: Feinarbeit an der Ikone

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Mercedes-Benz G400d.  Foto: Auto-Medienportal.Net/DaimlerMercedes-Benz G400d. Foto: Auto-Medienportal.Net/Daimler

Auch wenn es längst zum Lifestyle-Accessoire avanciert ist: Das G-Modell von Mercedes-Benz ist in seinem Ansatz der Geländewagen schlechthin. Das gilt auch für die erst 2018 vorgestellte, aktuelle Modellgeneration, die übrigens weiterhin auf den irreführenden Entwicklungscode W463 hört. Nachdem die Baureihe ursprünglich mit V8-Ottomotoren lanciert worden war, reichen die Stuttgarter mit dem Mercedes-Benz G400d nun bereits die zweite Diesel-Variante nach. Und ein Selbstzünder passt eigentlich viel besser zum G-Modell als die aggressiven V8-Motoren. Denn diese Baureihe ist nicht dazu konstruiert, die linke Spur der Autobahn zu dominieren. Obwohl sie das inzwischen kann: Die Lenkung ist viel präziser geworden, die Spurhaltefähigkeit um Welten besser als zuvor. Und auch der Langstreckenkomfort ist hoch.

 

Doch während es bei der Straßentauglichkeit nur darum gehen konnte, mit modernen SUVs gleichzuziehen, hat das G-Modell in Sachen Geländegängigkeit von führendem Niveau aus den Vorsprung nochmals ausgebaut. Mit seiner extremen Geländeuntersetzung und zuschaltbaren Differentialsperren vorn und hinten sowie einer per Tastendruck komplett sperrenden Lamellenkupplung im Mitteldifferential kommt das neue G-Modell in schwerem Gelände noch weiter als das im militärischen Einsatz bestens bewährte Vorgängermodell.

Gut, wenn dann unter der Haube ein zuverlässiger und starker Dieselmotor steckt. Beim G400d handelt es sich dabei um eine Variante des neuen Sechszylinder-Reihenmotors mit 2,9 Litern Hubraum. Das Aggregat ist aus dem G350d bereits bekannt, für den G400d steigt seine Leistung jedoch von 286 PS (210 kW) auf 330 PS (243 kW), und das maximale Drehmoment klettert von 600 auf 700 Newtonmeter (Nm). Das aus Bad Cannstatt gelieferte Aggregat passt zum neuen G-Modell perfekt.

Von innen ist der Selbstzünder kaum zu hören, die Laufruhe ist überzeugend; nur von außen ist noch etwas Dieselnageln mitzubekommen. Der Motor hängt im G400d gut am Gas und ist spürbar schneller als im G350d: Trotz knapp 2,5 Tonnen Leergewicht dauert der Spurt von 0 auf 100 km/h nur 6,4 Sekunden, und der Vortrieb endet erst bei 210 km/h. Damit wird der Standardspurt eine volle Sekunde schneller als im G350d absolviert, während – zum Vergleich – der 422 PS starke G500 mit seinem V8-Ottomotor nur noch eine weitere halbe Sekunde herausholen kann. In der Spitze liegen G400d und G500 sogar gleichauf: Die Daimler-Strategen haben die Abregelschwelle bei beiden Modellen auf 210 km/h gelegt, während dem G350d nur 199 km/h zugestanden werden.

Den trotz hohen Gewichts und schwacher Aerodynamik guten Fahrleistungen steht ein sozialverträgliches Trinkgebaren gegenüber: Im Zyklus werden 9,6 Liter angegeben, wir kamen bei kombinierter Autobahn- und Gebirgsfahrt und nicht eben zurückhaltendem Fahrstil auf 11,4 Liter. Das ist viel besser als der Achtzylinder-Benziner. Und die Emissionsvorschriften werden locker eingehalten; die diesbezügliche Diskussion sollte eigentlich hinfällig sein.

Wer angesichts dieser zupackenden Fähigkeiten ein robust-rustikales Ambiente erwartet, sieht sich getäuscht. Schon von außen überrascht der G400d mit LED-beringten Scheinwerfern, mattschwarzen Dekorelementen und filigranen 20-Zoll-Felgen aus dem Hause AMG. Aus den Außenspiegeln fällt eine Lichtprojektion auf den mehr oder weniger befestigten Boden.

Und auch das Interieur des G400d präsentiert sich als gute Stube: Hier dominieren teure Leder-Fauteuils, die Kontrastnähte sind, sofern schwarzes Leder gewählt wurde, in gold ausgeführt; das Armaturenbrett ist mit edlen Hölzern verziert, die Haltegriffe sind beledert. Und für gehobene Audio-Genüsse sorgt die Stereoanlage aus dem Hause Burmester. Hier wurde geklotzt.

Des Rätsels Lösung: Der Spitzen-Diesel G400d ist ein Sondermodell, das laut Hersteller „die G-Klasse als Kult-Geländewagen auf besonders emotionale Weise zelebriert." Es hört auf die ausladende Bezeichnung „Stronger than time", von Daimler komplett in Großbuchstaben geschrieben, und ist für den G350d gar nicht erhältlich.

Und so erklärt sich auch der enorme Preisaufschlag für den G400d: Mitsamt Stronger-than-time-Paket kostet er stolze 137 746 Euro, während für einen G350d lediglich 97 116 Euro fällig sind. Ausstattungsbereinigt, wobei auch noch die Metallic-Lackierung zu berücksichtigen ist, schrumpft die theoretische Differenz zwischen 350d und 400d auf weniger als 3000 Euro.

Damit spricht einiges für den G400d – zumindest dann, wenn man die feinen Ingredienzen des Ausstattungspaketes „Stronger than time" Wert legt. Wenn nicht, dann sollte man sich vielleicht doch mit dem G350d begnügen – oder abwarten, ob es den G400d eines Tages auch ohne das Paket gibt. (ampnet/mkn)

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