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Freitag, 3. Januar 2020 Der Fall Ghosn: Ein Flucht mit tausend Fragen

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Carlos Ghosn.  Foto: Auto-Medienportal.Net/Manfred ZimmermannCarlos Ghosn. Foto: Auto-Medienportal.Net/Manfred Zimmermann

Die Flucht von Ex-Nissan-Chef Carlos Ghosn ruft nach einem Drehbuch. In Japan wegen Untreue verurteilt, setzten ihn die dortigen Behörden Ende 2018 fest. Nur ein Jahr später ist der 66-Jährige nun getürmt und meldet sich überraschend aus dem Libanon. Bis jetzt sind die genauen Umstände der Flucht unklar. Türkische Medien berichten von der Landung eines Privatjets von Osaka in Istanbul. 45 Minuten später soll es nach Beirut weiter gegangen sein.

 

Ghosn hatte bei seiner Flucht offenabr Unterstützung von Profis. So wird in der Gerüchteküche auch eine Gruppe als Musiker verkleideter Paramilitärs heiß gekocht, die den ehemaligen Nissan-Chef in einem Kontrabass-Koffer aus seinem Haus geschmuggelt haben soll. Behauptungen, seine Familie sei beteiligt gewesen, dementiert Ghosn. Er allein habe die Flucht organisiert. Welchen Weg er gegangen ist, um ins libanesische Exil zu gelangen, werden die Behörden recherchieren müssen. Auch Interpol ist auf den Fall angesetzt.

Klar ist hingegen schon jetzt, dass ihm damit ein aussichtsreicher Coup gelungen ist. Der Libanon hat kein Auslieferungsabkommen und Ghosn ist nach dortigen Gesetzen legal eingereist – mit einem französischen Pass und einem libanesischen Personalausweis. Die Nachrichtenagentur AFP berichtet, Ghosn habe eine Sondergenehmigung eines japanischen Gerichts erhalten, seinen französischen Pass in einem per Code gesicherten Etui bei sich zu tragen. Die Verschlüsselung soll seinen Anwälten bekannt gewesen sein. Die Generalstaatsanwaltschaft sieht keine Veranlassung zur Auslieferung an Japan.

Nachdem Carlos Ghosn zuvor vier Monate in Haft gesessen hatte, durfte er sich seit dem Frühjahr 2019 gegen eine Kaution von umgerechnet zwölf Millionen Euro innerhalb Japans bewegen. Seine Anwälte hatten bis zuletzt versucht, ihn durch Kautionszahlungen aus diesem Status zu befreien. Sie beteuerten, es bestehe seitens des früheren Nissan-Chefs keine Fluchtgefahr. Carlos Ghosn selbst kündigte an, er wolle sich vor dem japanischen Gericht verantworten.

Ghosn wird vorgeworfen, Firmengelder veruntreut zu haben. Luxuswohnungen in vier Ländern sollen von den Geldern finanziert worden sein. In Jahresabschlüssen habe er zudem sein eigenes Einkommen zu gering angesetzt. Die Spitze des Eisbergs bietet ein Deal mit dem Autohändler Suhail Bahwan Automobiles (SBA), der von Nissan 15 Millionen Euro Marketinggelder erhielt. Ein Drittel des Geldes sei auf das private Konto Ghosns zurückgeflossen.

Ghosn bestreitet die Vorwürfe mit der Begründung, Nissan habe ihn vor die Tür setzen wollen, um eine Übernahme durch den französischen Automobilbauer Renault zu verhindern. Sein Sturz sei mit Hilfe von hochrangigen Beamten des japanischen Industrieministeriums und der Staatsanwaltschaft durchgesetzt worden. (ampnet/deg)

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