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Dienstag, 15. Oktober 2019 Nissan Juke: Flotter Dreier mit kleinen Schwächen

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Nissan Juke.  Foto: Auto-Medienportal.Net/NissanNissan Juke. Foto: Auto-Medienportal.Net/Nissan

Nichts Genaues wusste man nicht bei der Pressevorstellung des Nissan Juke im spanischen Barcelona. Zumindest bei der Frage, wie es nach einem möglicherweise ungeregelten Brexit mit dem ausschließlich in England produzierten Crossover weitergehen soll, gerieten die Verantwortlichen ins Stottern. Schließlich meinten sie optimistisch, dass am Ende doch noch alles gut werde. Immerhin würde ja nichts so heiß gegessen wie es gekocht werde.

Da jedoch jetzt schon Bestellungen für den Mitte Januar 2020 offiziell in Deutschland eingeführten Wagen möglich sind, empfiehlt es sich, Kaufverträge mit rechtlichem Beistand zu unterschreiben, damit es später keine unangenehmen Überraschungen in puncto Preisgestaltung gibt. Denn Zölle dürften den Preislisten auch dann eine ungewisse Halbwertszeit bescheren, wenn es auf eine einvernehmliche Trennung zwischen Großbritannien und der EU hinausläuft.

 

Dessen 2010 präsentierter Vorgänger stand von Anfang an im Kreuzfeuer der Kritik: Für die Fans war er der Hit, für die Gegner das Gegenteil. Sie stießen sich in erster Linie an der provokanten Karosseriegestaltung, dem knapp bemessenen Innenraum und dem geringen Komfort. „Doch die Japaner meinten es ernst mit der extravaganten Optik, der markanten Front mit Scheinwerfern im Glupschaugen-Format und den stämmig wirkenden Radkästen mit breiten Kotflügeln“, ist im Internetportal mobile.de über die erste Modellgeneration des Juke zu lesen. Nissan brachte trotz aller Kritik in Europa mehr als eine Million Exemplare davon unter die Leute.

Jetzt hat der neue endlich die Pubertät hinter sich gelassen, wie er eindeutig zeigt: Er ist reifer und erwachsen geworden. Dennoch bleibt ein gehöriges Maß an Individualität erhalten. „Der Nissan Juke folgt nicht der Menge, er geht voran", behauptet Marco Fioravanti, Vice President Product Planning bei Nissan Europe. Das beweisen zunächst seine gewachsenen Maße und das geringere Gewicht: die Länge hat um siebeneinhalb, die Höhe um dreieinhalb und die Breite um eineinhalb Zentimeter zugenommen. Der Radstand fast um elf Zentimeter. Der Babyspeck ging um rund 23 Kilo zurück, was dem Body-Mass-Index spürbar zugutekam.

Das soll „den eleganten Stil eines Coupés mit der satten Haltung eines Crossover und den Abmessungen einer sportlichen kleinen Schräghecklimousine“ kombinieren. So blumig formuliert es der Pressetext. Dort heißt es weiter: „Eine einzigartige Mischung, die das Beste aller Welten bietet und den Juke zum perfekten Auto für die Stadt und darüber hinaus macht.“ Na ja.

Durch die hohe Gürtellinie wirken Seiten- und Heckfenster vergleichsweise klein, lassen aber in puncto Durchblick von innen nach außen nichts zu wünschen übrig. Überhaupt vermittelt der Innenraum nun Wohlfühl-Charakter. Die Sitze versprechen reichlich Auflagefläche für die Oberschenkel, genügend Seitenhalt und damit Komfort auch auf längeren Strecken. Es gibt einige Ablagefächer für allerlei Krimskram, und für Fahrerin oder Fahrer liegen die Bedienelemente dort wo sie hingehören. Das Armaturenbrett wirkt aufgeräumt, die Instrumente sind gut ablesbar.

Den Juke gab es zuletzt wahlweise mit 1,2 bis 1,6 Liter großen Vier-Zylinder-Benzinmotoren mit Leistungen zwischen 94 PS (69 kW) und 218 PS (160 kW) sowie einem 1,5 Liter-Dieselaggregat mit 100 PS (81 kW) sowie auf Wunsch mit Vorderrad - oder Allradantrieb. Der Juke-Jahrgang 2020 beschränkt sich dagegen auf ein Dreizylinder-Motörchen mit 999 Kubikzentimetern Hubraum und Frontantrieb. Freie Wahl erlaubt Nissan nun nur noch zwischen einem Sechs-Gang-Schaltgetriebe und einem Sieben-Gang-Doppelkupplungsgetriebe. Andere Motoren fallen ebenso in die Rubrik Fehlanzeige wie Allrad-, ein Diesel- oder Elektroantrieb. Strom könnte zwar irgendwann in Zukunft ebenso in Betracht gezogen werden wie eine leistungsstärkere Sportversion. Doch auf das „Wann?“ gibt es keine klare Antwort.

Der Dreizylinder toleriert schaltfaules Fahren ungern und verrichtet seine Arbeit am liebsten in einem höheren Drehzahlbereich. Das kommt dem Fahrspaß auf kurvigen Landstraßen im Gebirge entgegen, nervt aber auf längeren Autobahnsteigungen, wo der Dreier zwar nicht schlagartig Impotenz, aber doch deutliche Schwächen zeigt. Wenn also David Moss, Senior Vice President Research and Development bei Nissan Europe, sagt, „die Leistungs- und Drehmomententfaltung des Triebwerks ist wirklich beeindruckend und zeigt, welches Potenzial ein kleiner Downsizing-Antrieb im Hinblick auf Fahrspaß und niedrigere Kosten hat“, muss er mit Widerspruch rechnen.

Keine Kritik hingegen verdienen die Infotainmentoptionen und Assistenzsysteme. Es gibt einen Notbremsassistenten mit Fußgänger- und Fahrradfahrererkennung, einen Geschwindigkeitsassistenten mit Verkehrszeichenerkennung sowie ein Spurhalte-, einen Querverkehrs- und einen Totwinkelassistenten. Sie gehören zur serienmäßigen Grundausstattung. (ampnet/hrr)

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