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Oldtimer & Raritäten: Jaguar

Dienstag, 14. April 2020 Jaguar F-Type Cabrio: Auch ohne zwei dynamisch unterwegs

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Jaguar F-Type Cabriolet.  Foto: Auto-Medienportal.Net/JaguarJaguar F-Type Cabriolet. Foto: Auto-Medienportal.Net/Jaguar

Vier Zylinder, Zwei Liter Hubraum, Turboaufladung – diese Kombination bringt der anglophile Sportwagenfreund auf Anhieb nicht unbedingt mit einem Jaguar in Verbindung. Doch, auch wenn es auf den ersten Blick hart klingen mag, haben sich im gerade frisch überarbeiteten Jaguar F-Type die beiden bisher angebotenen Sechszylinder verabschiedet. In Zukunft beschleunigt entweder ein Zwei-Liter-Vierzylinder oder ein klassischer V8-Fünfliter den bereits vor sieben Jahren vorgestellten Sportwagen.

 

Nach dem üblichen Industrie-Drehbuch wäre nach sieben Jahren eigentlich eine komplette Neuentwicklung fällig gewesen. Doch die Verantwortlichen in Coventry spendierten dem Zweisitzer stattdessen eine kosmetische und technische Überarbeitung, bei der vor allem die Front mit schmaler geschnittenen Scheinwerfern und die Motorhaube neu gestaltet wurde. Auch das Heck wurde überarbeitet. So blieb das seit dem legendären E-Type typische Sportcoupé-Design der Marke mit langer Motorhaube und kurzem Heck erhalten.

Im Innenraum dominiert nun ein 12,3 Zoll großer Bildschirm, und über ein berührungsempfindliches Feld neben dem Automatik-Wahlhebel können unter anderem Software-Aktualisierungen durchgeführt werden. Mit der digitalen Aufrüstung hat der F-Type nun den in den vergangenen Jahren eingefahrenen Rückstand in dieser Abteilung aufgeholt. Allerdings verbesserte sich dadurch nicht unbedingt die Bedienbarkeit.

Der Innenraum verstrahlt wie gewohnt das schwer beschreibbare „British Racing Feeling“ mit viel Windsor-Leder und anderen edlen Materialien. Einmal hinter dem Lenkrad eingefädelt – der Einstieg ist etwas gewöhnungsbedürftig – wird der Fahrer schnell Teil der Maschine, ohne sich im enganliegenden Sitz beengt zu fühlen. Nach dem Druck auf den Starterknopf erwacht der Vierzylinder. Sein Sound lässt die beiden in den Ruhestand geschickten Kolben schnell vergessen. Der 200 PS (221 kW) starke Turbomotor schiebt den 1,5 Tonnen schweren Zweisitzer zügig nach vorne und erreicht nach 5,7 Sekunden Tempo 100 km/h. Bei 250 km/h schreitet der elektronische Begrenzer ein und beendet den Vortrieb.

Der Zweisitzer mit Stoffverdeck gehört zu den wenigen klassischen Roadstern, die heute noch angeboten werden. Das Verdeck verschwindet schnell in seinem Abteil und dank des Windschotts im Rücken genießt der Mensch hinter dem Lenkrad nur noch einen Hauch von Freiheit und Abenteuer.

Der F-Type ist irgendwie eine gespaltene Persönlichkeit. Er lässt sich ebenso als Flaneur auf dem Boulevard bewegen wie als klassischer Kurvenräuber. Einmal losgelassen auf einer kurvigen Landstraße, zeigt er sein Temperament. Dank des bereits bei 1500 Umdrehungen bereitstehenden maximalen Drehmoment von 400 Newtonmetern stürmt der Roadster mit stets ausreichenden Kraftreserven über den Asphalt. Dabei hilft auch die auf schnelle Schaltvorgänge ausgelegte Acht-Stufen-Automatik, die deutlich schneller als beim Vorgänger stets die passende Übersetzung liefert. Zwar können die Gänge auch über zwei Schaltpaddel am Lenkrad gesteuert werden, doch im Alltag ist die Automatik zumeist schneller als die menschliche Reaktion.

Schnell wird deutlich, dass die Leistung des „kleinen Motors“ vollkommen ausreicht. Zwar muss auch der F-Type-Pilot die physikalischen Gesetze respektieren, doch reizt der Roadster diese Grenzen dank des aufwendigen Fahrwerks (Doppel Querlenker vorne und hinten) bis zum Maximum aus. Mindestens so beeindruckend wie die Fahrleistungen ist die Wirkung der Bremsen beim Verzögern und die präzise Lenkung, die scheinbar nur auf die nächste Kurve wartet.

Roadster gehören nicht unbedingt zu den Leisetretern, und auch hier macht der F-Type keine Ausnahme. Allerdings übernehmen die Windgeräusche bei geschlossenem Verdeck erst jenseits von 170 km/h die akustische Herrschaft im Innenraum und lassen die feine Audio-Anlage von Meridian verstummen. Die versprochene Konzertsaal-Qualität hat dann ausgedient. Dafür übernimmt der Fahrspaß die Hauptrolle. Kraft ist in allen Situationen stets ausreichend vorhanden, und dank des Fahrwerks, das sportliche Härte mit ausreichend Komfort kombiniert, sind auch lange Expressfahrten ohne körperliche Anstrengungen möglich.

So viel Leistung und Fahrdynamik hat natürlich ihren Preis. Den Verbrauch gibt Jaguar mit 8,1 Liter an. Diesen Wert mag man erreichen, wenn man mit verhaltenem Kontakt zum Beschleunigungspedal unterwegs ist. Doch wer will das schon in einem Jaguar? (ampnet/ww)

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