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Oldtimer & Raritäten: Triumph

Donnerstag, 13. Juni 2019 Le Mans 1989: Doppelsieg-Triumph vor 30 Jahren

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24 Stunden von Le Mans, 10./11. Juni 1989. Sauber-Mercedes Gruppe-C-Rennsportwagen C 9. Startnummer 63 - Sieger: Jochen Mass / Manuel Reuter / Stanley Dickens.24 Stunden von Le Mans, 10./11. Juni 1989. Sauber-Mercedes Gruppe-C-Rennsportwagen C 9. Startnummer 63 - Sieger: Jochen Mass / Manuel Reuter / Stanley Dickens.

Wie übersetzt man das packende 24-Stunden-Rennen von Le Mans am 10. und 11. Juni 1989 in ganz nüchterne Daten? Zum Beispiel mit zehn Zahlen zwischen 1 und 5.265,115: Auf den Plätzen 1, 2 und 5 kommen die Sauber-Mercedes Silberpfeile vom Typ C 9 ins Ziel. Sie gehören zu den 19 Sportwagen-Prototypen, die nach 24 Stunden das Rennen beenden – an den Start gegangen sind insgesamt 55 Fahrzeuge. Das Mercedes-Benz Siegerteam fährt mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 219,990 km/h genau 389 Runden – das sind insgesamt 5.265,115 Kilometer.

 

Doch die ganze Spannung jedes 24-Stunden-Rennens von Le Mans steckt in den Geschichten hinter diesen Zahlen. So starten zwar zwei Sauber-Mercedes C 9 von den Plätzen 1 und 2. Sie tragen die Startnummern 62 und 61. Das spätere Siegerauto mit der Startnummer 63 jedoch geht lediglich von Platz 11 ins Rennen: Jochen Mass bringt es im ersten Turn mit einer eindrucksvollen Aufholjagd auf Rang 2 und übergibt an Manuel Reuter.

In Reuters zweiter Runde durchschlägt auf der Hunaudières-Geraden bei 380 km/h das verlorene Auspuffteil eines Konkurrenten die linke Flanke des Rennwagens – Zwangsboxenstopp für die Notreparatur und Rückfall um zwei Runden. Danach legt Reuter erneut los. „Ab da lief das Fahrzeug wie ein Uhrwerk“, erinnert sich der Rennfahrer. Nun ja, fast: Stanley Dickens, der Dritte im Siegerteam, riss mit einem leicht riskanten Fahrmanöver in der Tertre-Rouge-Kurve ein zweites Loch in die Karosserie, diesmal rechts. Ein Schöneitsfehler, denn bei der unerbittlichen Hatz durch den Tag, die Nacht und wieder den nächsten Tag ist keiner schneller als die drei: Sieg in Le Mans!

Die Teamkollegen Kenny Acheson, Mauro Baldi und Gianfranco Brancatelli sorgen mit Platz 2 für den Doppeltriumph – obwohl ihnen ein Getriebeproblem für die letzten anderthalb Stunden nur den fünften Gang gibt. Dennoch gelingt es, die Konkurrenten auf Abstand zu halten. Und der dritte C 9, gestartet von der Pole Position, kommt mit Alain Cudini, Jean-Pierre Jabouille und Jean-Louis Schlesser auf Platz 5 ins Ziel – hätte nach der Ansicht von Motorsportexperten vermutlich aber eher den Dreifachsieg komplett gemacht, wenn er nicht in der dritten Rennstunde in einen Unfall verwickelt worden wäre.

Das überlegene Auto der Saison 1989

Sauber-Mercedes C 9 heißt das erfolgeiche Auto: Entwickelt hat es der schweizerische Rennstall Sauber, und der Antrieb kommt wie bereits beim Vorgänger C 8 von Mercedes-Benz. Es tritt erstmals 1987 in der Gruppe C der Rennsportwagen an und gewinnt das Saisonfinale des Supercups der Gruppe C auf dem Nürburgring mit Jean-Louis Schlesser am Steuer. In der Saison 1988 kann der nun als Sauber-Mercedes an den Start gehende Rennwagen insgesamt acht Rennen für sich entscheiden. Für die Saison 1989 erhält der C 9 den neuen V8-Biturbo M 119 HL mit 4.973 Kubikzentimeter Hubraum und Vierventiltechnik, der in Qualifying-Abstimmung kurzfristig bis zu 680 kW (925 PS) liefert. Im Rennen sind es rund 530 kW (720 PS).

Für die Saison 1989 wird der C 9 nicht nur technisch weiterentwickelt, sondern bekommt nun auch eine silberne Lackierung. Sie signalisiert eindeutig, dass Mercedes-Benz erneut als Werksmannschaft auf der Rundstrecke um Siege fährt. Der C 9 ist das überlegene Auto der Saison und der erste siegreiche Silberpfeil nach 1955. Jean-Louis Schlesser wird mit sieben Siegen in acht Rennen Fahrerweltmeister 1989, Jochen Mass Vizeweltmeister, und Sauber-Mercedes gewinnt die Teamwertung.

Drei Männer, ein Sieg

Bei der Vorbereitung auf das 24-Stunden-Rennen von Le Mans im Jahr 1989 überlässt der damalige Mercedes-Benz Rennleiter Jochen Neerpasch, selbst ein erfahrener Le-Mans-Pilot, nichts dem Zufall. Ein dickes Strategiebuch enthält Anweisungen für fast alle Eventualitäten. Die Autos sind bestens präpariert – wie auch die Fahrer: Für körperliche Fitness sorgen ein gezieltes Training sowie Ernährungsvorgaben des legendären Willi Dungl.

Ende März wird auf der Rennstrecke Paul Ricard mit zwei C 9 ein 24-Stunden-Test gefahren. Einer fällt aus. Schlechtes Omen für Le Mans? Eher nicht: Das vielleicht anspruchsvollste Langstreckenrennen der Welt ist unwägbar. Es kürt unerwartete Sieger – und lässt Favoriten auf hinteren Plätzen oder mit Totalausfall verzweifeln.

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