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Mittwoch, 14. November 2018 110 Jahre Morgan: Die Traditionalisten fahren ins Elektrozeitalter

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Morgan EV3. Foto: Auto-Medienportal.Net/MorganMorgan EV3. Foto: Auto-Medienportal.Net/Morgan

Glückwünsche vor dem Geburtstag sollen ja bekanntlich Unglück bringen, doch bei der britischen Sportwagenmanufaktur gingen die Uhren schon immer anders, und deshalb bringt Morgan jetzt Monate vor dem eigentlichen Termin die Jubiläumsmodelle zum 110-jährigen Bestehen der Marke auf den Markt.

Am 1. Mai 1909 stellte Firmengründer Harry Frederick Stanley Morgan sein erstes motorisiertes Dreirad vor, das von einem sieben PS starken Peugeot-Motor angetrieben wurde und das auf Anhieb erfolgreich war. Seitdem hat sich nur wenig geändert. Immerhin kam schon 1936 der Morgan 4-4 mit vier Rädern auf den Markt, der fast unverändert bis heute hergestellt wird. Produziert wird noch immer in Malvern Link, die Morgan-Familie hat noch immer (im Hintergrund) das Sagen, und die Modelle wirken unverändert wie aus der Zeit gefallen.

 

Offensichtlich liegen die Verantwortlichen in Malvern Link mit ihrer Modellpolitik richtig, denn in der Vergangenheit wurden die wenigen zaghaften Versuche, modernere Modelle zu produzieren von der Kundschaft mit einer roten Karte beantwortet. In den 1960er Jahren versuchte Morgan einmal, dem Zeitgeist zu folgen, brachte ein Coupé auf den Markt und verschreckte damit die Kunden nachhaltig. Morgan und modernes Design? Am Ende noch eine Kunststoff-Karosserie? Oder ein Coupé? „Nein, danke“, sagten die Fans der Marke und wandten sich wieder den rollenden Fossilien zu. Auch die Karriere der Coupé-Version des Supersportwagens Aero war bald wieder beendet. Alles blieb, wie es einmal war. Deshalb kann man absolut sicher sein, dass sich die Briten niemals dem Zeitgeist opfern und ein SUV auf den Markt rollen werden.

Mit dieser Ausrichtung war die Firma über die Jahrzehnte erfolgreich. Während um Malvern Link herum die britische Automobilindustrie verschwand und Traditionsmarken wie Morris, Austin, Triumph und Sunbeam untergingen oder wie Jaguar und Land Rover ins Ausland verkauft wurden, bastelte man in den West Midlands unbeeindruckt weiter an seinen Modellen. Wie zu Zeiten des Kutschenbaus spielt dabei Eschenholz eine im wahrsten Wortsinn tragende Rolle.

Tradition macht sich offensichtlich bezahlt, denn heute ist Morgan weltweit die älteste Automobilmarke im Familienbesitz, und irgendwie erinnert die Firma inzwischen an das berühmte gallische Dorf: Die britische Automobilindustrie ist verschwunden. Wirklich? Nein, ein kleiner Stamm in Malvern Link hält weiter die britische Fahne hoch. Dass die Produktionszahlen mit rund 1000 Modellen sehr überschaubar sind, schmälert nicht den Erfolg, sondern höchstens die Spannung bei den Kunden. Lieferfristen von mehr als einem Jahr sind nicht ungewöhnlich.

Aktuell besteht die Modellpalette der Manufaktur aus den Modellen 4/4, Roadster und 3-Wheeler. Für die Jubiläumsmodelle spendierten die Marketingexperten (ja so etwas gibt es auch in den West Midlands) den drei Modellen Sonderausstattungen – unter anderem spezielle Lackierungen, Ledersitze und neue Auspuffanlagen – ohne Aufpreis. Außerdem weist eine silberne „110“ auf der Motorhaube die Jubiläumsversionen aus.

Einen ganz eigenen Rekord hält der Plus 4, der seit 1936 fast unverändert gebaut wird. Allerdings hat der Wagen inzwischen doch von den Errungenschaften der modernen Automobilindustrie profitiert und nutzt die 154 PS (189 km/h Spitze) eines Ford-Vierzylinders für den Antrieb. Morgan verstand es stets, sich bei Großserienherstellern zu bedienen und die Technik unter dem antiquierten Blech zu platzieren. Auch der Sechszylinder des Modells Roadster stammt von Ford und entwickelt 280 PS unter der lang gestreckten Motorhaube, was sich wiederum in eine Höchstgeschwindigkeit von 225 km/h übersetzt. Wie der Plus 4 hat das Jubiläumsmodell des Roadster eine neue Frontschürze, Ledersitze und verchromte Endrohre.

Mag man sich bei Morgan auch nicht von den klassischen Formen trennen, der Zukunft kann man sich nicht vollkommen verschließen. Die traditionsbewussten Freunde der Marke müssen im kommenden Jahr ganz besonders stark sein, denn auch in Malvern Link schlägt die Stunde der Elektromobilität. Ausgestattet mit staatlichen Subventionen und einer eigenen Investition von sechs Millionen Pfund (ca. 6,9 Millionen Euro) wird die Marke Hybrid- und Elektromodelle auf den Markt rollen. Mit dieser Entwicklung „wollen wir die CO2-Emissionen deutlich verringern und gleichzeitig den Benzinverbrauch senken“, erklärt ein Sprecher. Der elektrisch angetriebene 3-Wheeler wurde bereits auf dem Genfer Automobilsalon im Frühjahr vorgestellt. „Wir sind jetzt in der Lage, die besten Hybrid- und Elektroantriebe zu entwickeln, die noch vor Ende des Jahrzehnts in die Modelle integriert werden,“ erklärt Geschäftsführer Steve Morris. „So werden wir neue Kunden in unseren wichtigsten Märkten gewinnen.“ (ampnet/ww)

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