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Wirtschaft-News

Dienstag, 11. Juli 2006 EU fährt bei Biokraftstoffen hinter her

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Leistungsstarkes BioPower-Konzept auf Basis des Saab 9-5 2.3 Turbo Aero. Der 260 PS starke SportCombi erreicht beim Betrieb mit Bioethanol (E85) ein Leistungs­plus von nahezu 20 Prozent auf 310 PS.Leistungsstarkes BioPower-Konzept auf Basis des Saab 9-5 2.3 Turbo Aero. Der 260 PS starke SportCombi erreicht beim Betrieb mit Bioethanol (E85) ein Leistungs­plus von nahezu 20 Prozent auf 310 PS.

Biokraftstoffe für Pkw sind in der Europäischen Union (EU) im Vergleich zu Brasilien, Nordamerika und Asien bislang wenig verbreitet. Zu diesem Ergebnis kommt die neue Analyse des Automotive Institute der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC).

 

Demnach wurden in der Europäischen Union (EU) 2005 rund drei Milliarden Liter Biokraftstoff erzeugt, davon der weitaus grösste Teil Biodiesel. Demgegenüber produzierten Brasilien und die USA jeweils über 16,5 Milliarden Liter Biokraftstoff. China, Indien und die übrigen asiatischen Staaten kamen zusammen auf über zwölf Milliarden Liter. Karl Gadesmann, Automotive-Leader bei PwC: "Deutsche Raffinerien steuerten 2005 gut eine Milliarde Liter Biodiesel zur EU-Produktion bei - mit steigender Tendenz. Damit ist Deutschland Marktführer in Europa." Nach PwC-Schätzungen dürfte der weltweite Ausstoss bis Ende des Jahrzehnts um jährlich 24 Prozent zulegen.
Biologische Pkw-Kraftstoffe wie Ethanol und Biodiesel sind aus mehreren Gründen eine interessante Alternative zu Benzin und Diesel auf Erdölbasis. So würde eine grössere Verbreitung von Biokraftstoffen die Abhängigkeit vom Erdöl und damit auch den Erdöl-Exportstaaten verringern. Zudem könnten die Kohlendioxid-Emissionen durch Einsatz von Ethanol oder Biodiesel an Stelle herkömmlicher Treibstoffe sinken.
Allerdings erreichen alternative Treibstoffe bislang lediglich in Brasilien nennenswerte Marktanteile. "Während von der Autoindustrie die technischen Voraussetzungen für eine stärkere Verbreitung geschaffen wurden, sind die Raffinerie- und Tankstellenkapazitäten in den meisten Ländern noch längst nicht ausreichend", erläutert Gadesmann. Zudem lohnt sich der Umstieg auf Ethanol oder Biodiesel für viele Autofahrer nicht. In den USA beispielsweise müssen Verbraucher für Biokraftstoff per Saldo sogar mehr ausgeben als für Benzin.
Ethanol ist im Gegensatz zu Biodiesel weniger energieeffizient als das Treibstoff-Pendant auf Erdölbasis. Das in den USA und Europa verbreitete Ethanol-Gemisch müsste zwischen 35 und 40 Prozent weniger kosten als Benzin, um den höheren Energieeinsatz bei der Ethanol-Erzeugung auszugleichen. Entscheidend für die Wirtschaftlichkeit alternativer Kraftstoffe ist die Rohstoffbasis: Bei der Raffinierung von Zuckerrohr beispielsweise muss deutlich weniger Energie pro Liter Biokraftstoff eingesetzt werden als bei Getreide, das vor allem in den USA zur Ethanol-Erzeugung dient.
Biodiesel ist hingegen ebenso energieeffizient wie herkömmlicher Diesel. Zudem lässt sich Biodiesel nicht nur aus Ölsaaten wie Raps erzeugen, sondern auch aus Abfall-Fetten. Allerdings ist Biodiesel in erster Linie für Europa relevant, da Dieselantriebe in anderen Regionen nach wie vor wenig verbreitet sind. In jüngster Zeit ist das Interesse an Biokraftstoffen in der EU wieder gestiegen.
Ausschlaggebend ist nicht nur der hohe Ölpreis, sondern auch der Kohlendioxid-Ausstoass der europäischen Pkw, der aller Voraussicht nach über den freiwillig zwischen EU-Kommission und Automobilindustrie vereinbarten Klimaschutz-Zielen liegen dürfte.
Ein massgebliches Hindernis für die bislang geringe Verbreitung von Biokraftstoffen ist die in vielen Ländern mangelhafte Infrastruktur. In den USA reichen beispielsweise weder die Raffineriekapazitäten noch das Tankstellennetz in nächster Zukunft aus, um eine grössere Nachfrage nach Biokraftstoffen zu decken. Zwar haben die drei grossen US-Automobilhersteller Ford, General Motors und DaimlerChrysler bislang schätzungsweise rund fünf Millionen Pkw produziert, die problemlos mit einem Ethanol Benzin-Gemisch (E85) fahren könnten. "Würden sich jedoch alle Besitzer dafür entscheiden, ihr Auto mit E85 zu betanken, gäbe es ein Problem: Denn in den USA kommt auf 10'000 für den Biotreibstoff geeignete Pkw nur eine einzige E85-Tankstelle", so Gadesmann.

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