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Freitag, 3. September 2010 MINI Cooper Clubman: „Seiteneinsteiger“

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Sportlich und edel zugleich die Frontgestaltung des MINIs. Und das soll auch beim "Rest" des Fahrzeugs so bleiben. Foto: B. Riedel/Auto-Reporter.NET Sportlich und edel zugleich die Frontgestaltung des MINIs. Und das soll auch beim "Rest" des Fahrzeugs so bleiben. Foto: B. Riedel/Auto-Reporter.NET

Ich bekenne: Nie hätte ich geglaubt, dass die Wiederbelebung der MINI-Legende, von BMW seit zehn Jahren entschlossen betrieben, diesen nachgeborenen Burschen derart beeindruckende Karriere machen lassen würde! – Aber der Mensch darf sich ja irren. Inzwischen ist der moderne MINI millionenfach auf der Straße und eigentlich auch gar nicht mehr so neu. Aber – Teil zwei meiner Überraschung – der Erststarter, die Limousine, bekam nach und nach interessante Geschwister. Das gab dem MINI-Kult, jener ausgesprochen freundlichen Zuneigung, die dem Auto weltweit zuteil wird, fortlaufend neue Impulse; erst durch das MINI Cabrio, dann durch den MINI Clubman und dieser Tage nun durch den MINI Countryman (ein Crossover, der sich auch als Allradler ordern lässt). Stets gesellte sich dazu die besonders potente motorsportlich ausgerichtete Ausgabe John Cooper Works. Dass die Modelle generell als One, Cooper S und Cooper D unterschiedlich motorisiert daherkommen, macht die Wahl nicht leichter.

 

Letztlich muss sich jeder MINI-Freak irgendwie entscheiden. Für die Wahl des Testwagens sprach der Kombi-Nutzwert eines MINI Cooper Clubman. Der Cooper-Variante ist grundsätzlich ein Vierzylinder-Benziner mit 90 kW (122 PS) Leistung zugeordnet. Zum Vergleich: Einem MINI One Clubman werden lediglich 72 kW (98 PS) zugebilligt, einem MINI Cooper S Clubman hingegen 135 kW (184 PS) und einem MINI Cooper D Clubman 80 kW (110 PS).

Das sechsgängige Handschaltgetriebe, knackig-exakt zu bedienen, schafft eine der Voraussetzungen für einen ökonomischen Umgang mit dem 90-kW-Treibsatz. Noch im großen Gang kullert das Auto willig mit Tempo 60 dahin. Fordern Fahrwiderstände mehr Drehmoment, muss die Kurbelwelle gekitzelt werden. Erst 4.000 U/min bescheren als maximales Drehmoment 160 Newtonmeter. Das Temperament, das man von einem so kessen Typ wie dem MINI irgendwie erwartet, erwacht etwa ab 3.000 U/min. Soll der Clubmann losstürmen wie Nachbars Katze, wenn sie Mäuse wittert, ist der Kraftspender auf Touren zu bringen. Wer es generell flotter mag, drückt den winzigen Sport Button links vor dem Schalthebel. Danach nimmt Motor nimmt williger Gas an, und auch die Lenkung reagiert wohl etwas direkter. Wunder vollbringt der Druck auf den Sport-Knopf nicht.

Temperament kostet Kraftstoff. Nur wer keinen ausgesprochen sportlichen Fahrstil pflegt, findet die „amtlichen“ NEFZ-Verbrauchswerte annähernd bestätigt (7, 4,7, 5,5 Liter; innerorts, außerorts, kombiniert). Diese Zahlen spiegeln nicht zuletzt wider, welches Sparpotenzial sich mit Start-Stopp-System, Rekuperation und Schaltpunktempfehlung erreichen lässt.

Auf Tempo 100 lässt sich in 9,1 Sekunden kommen. Bei etwas mehr als 190 km/h verlässt einen Cooper Clubman die Lust am Schnellsein. Höhere Autobahngeschwindigkeiten bescheren den Insassen Windgeräusche, die der kantigen Kontur der Karosserie geschuldet sein dürften. Ein „Rennkombi“ will das Auto ja nicht sein. Es orientiert sich anders. Zunächst wurde trotz Längenzuwachs (+24 cm) und Kombiheck dafür gesorgt, dass die MINI-typischen knappen Karosserieüberhänge erhalten blieben. Dem diente die Vergrößerung des Radstandes um acht Zentimeter.

Das Schöne: Nicht geopfert wurden der Orientierung auf mehr Nutzwert die allseits geschätzten Fahreigenschaften eines MINI mit den oft gelobten Go-Kart-Genen, auch wenn von der Streckung eines Fahrzeugs natürlich nicht erwartet werden kann, dass sie wendiger macht. Gewinnen ließ das Konzept über eine zweiflüglige Hecktür („Splitdoor“) dank einer ausgefallenen Scharnieridee sehr gut zugänglichen Gepäckraum, dessen Volumen von schlichten 260 auf 930 Liter wachsen kann, wenn die Fondsitzlehnen weggeklappt werden. Und: Im Clubman gibt es mehr Beinfreiheit für die Fondpassagiere, die dank der originellen schmalen Fondtür namens „Clubdoor“ auf der rechten Fahrzeugseite auch bequemer ein- und aussteigen können. „Clubdoor“ und Beifahrertür, die gegenläufig öffnen, erweisen sich als freundliche Einladung zum Einsteigen, eine großherzige Geste dieses witzigen „Seiteneinsteigers“, die überrascht und imponiert. Dass alles von rechts, also auf der vom Verkehr abgewandten Seite geschieht, lernt vor allem schätzen, wer Kinder oder Ältere ein- oder aussteigen lassen will.

Und da ist noch was: der Fahrspaß. Auch am Lenkrad eines MINI Cooper Clubman kommt spontan das Gefühl auf, in einem Gokart zu sitzen; einem ausgesprochen komfortablen allerdings. Das Auto lechzt danach, sich mit kurvigen Landstraßen anzulegen. Sein dynamisches Fahrwerk zeigt sich straff genug, einerseits zulässige Zuladung zu verkraften und andererseits Fliehkräften, die bei zügiger Fahrt mit raschen Richtungswechseln über die Karosserie herfallen, Paroli zu bieten. Spielerisch leicht und direkt reagiert die Lenkung, und die Bremsen lassen spüren, dass stets Reserven bleiben.

Jedenfalls legen es Auftritt und Tugenden dieses Autos darauf an, den nüchternen Kombi-Begriff gründlich zu verwischen.(Auto-Reporter.NET/Wolfram Riedel)

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