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Mittwoch, 29. Januar 2020 Mini Cooper SE: Macht Spaß – auf kurzer Strecke

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Mini Cooper SE.  Foto: Auto-Medienportal.Net/BMWMini Cooper SE. Foto: Auto-Medienportal.Net/BMW

Wenn ein Auto Potential zu einem gelungenen Elektroauto besitzt, dann ist es der Mini. Denn das konventionell angetriebene Ausgangsmodell bereitet mit seiner scharfen Lenkung in Kurven viel Spaß, die stadtfreundliche Größe erleichtert das Manövrieren auch auf engem Raum. Und so hat BMW versucht, die besten Eigenschaften eines Mini – ausweislich der Modellbezeichnung gar eines Mini Cooper S – mit einem elektrischen Antriebsstrang zu kombinieren, um ein perfektes Elektroauto zu bauen.

Irgendwann auf dieser entwicklungstechnischen Reise ist den Bayern die Reichweite aus der Gleichung herausgefallen. Denn der neue Mini Cooper SE, der nun in Miami im US-Staat Florida vorgestellt wurde, schafft es trotz einer offiziellen Reichweite von 235 bis 270 Kilometern im Realbetrieb nicht einmal 180 Kilometer weit. Ungefähr so weit wie das erste elektrische Modell von Mini, der vor mehr als einem Jahrzehnt in Kleinserie gebaute Mini E.

 

Zu Minis Gunsten ist dabei festzuhalten, dass damals noch die gesamte Rücksitzanlage dem Akku weichen musste. Im Cooper SE bleiben die Rücksitze hingegen erhalten, und auch die Ladekapazität gleicht einem regulären Mini mit Drei- oder Vier-Zylinder-Verbrennungsmotor. Das Packaging ist also deutlich besser geworden, wenngleich der aktuelle E-Mini wie auf Stelzen daherkommt: Die Karosserie liegt um stolze 18 Millimeter höher als beim Ausgangsmodell, ohne dass damit eine vergrößerte Bodenfreiheit korrespondieren würde, denn die Akkus brauchen Platz.

Und der auf die Vorderräder wirkende Elektromotor fällt um Jahre hinter das zurück, was andere Autohersteller in Bezug auf Reichweite und Leistung anbieten. Der 32,6-kWh-Lithiumionen-Akku stammt aus dem BMW i3, die Gesamtleistung liegt bei 184 PS. Das wenig spektakuläre maximale Drehmoment von 270 Nm liegt zwar vom Start weg an, fällt aber schon ab 1000 U/min ab.

Der Spurt von null auf 100 km/h wird so in ordentlichen 7,3 Sekunden absolviert, Hochgeschwindigkeitsqualitäten gehen diesem Mini jedoch vollständig ab: Schon bei 150 km/h ist Schluss. Die Kraftübertragung erfolgt einstufig. Der CO2-Ausstoß wird übrigens nach dem Willen der Politik mit null angegeben; der Strom kommt bekanntlich aus der sprichwörtlichen Steckdose.

In der Stadt ist der Mini Cooper SE zwar durchaus unterhaltsam, dennoch wird in Sachen Leistung nicht gerade die Schlagkraft anderer Elektrofahrzeuge geboten. Selbst bei voller Beschleunigung bleibt der Mini unspektakulär. Die Vorwärtsbewegung erfolgt vielmehr besonders sanft und leise, während Fahrwerk und Gewicht dem Cooper SE eine satte Straßenlage verleihen. Fahrbahnunebenheiten werden durch die Macpherson-Vorderradaufhängung und die Mehrlenker-Hinterachse erfolgreich pariert. Doch die an ein Go-Kart erinnernde Leichtfüßigkeit des regulären Mini ist verlorengegangen.

Wird der Sport-Modus ausgewählt, spricht der Cooper SE deutlich spontaner auf Pedalbewegungen an; dafür wirkt die Servolenkung in diesem Modus besonders künstlich und schwergängig. Der Normal-Modus namens „Mid“ lässt den Mini deshalb insgesamt leichtfüßiger wirken, und es gibt auch eine „grüne Gangart“ („Green“), bei der die zusätzlichen Kilometer mit behäbiger Beschleunigung erkauft werden müssen. Wird „Green Plus“ gewählt, darf man sich auch von einer angenehmen Klimatisierung, die man bei Mini trotz Sicherheitsrelevanz lediglich als Komfortfunktion deklariert, verabschieden.

Weil das Wetter in Miami sich wie an nur wenigen Orten und an wenigen Tagen im Jahr so perfekt darstellte, dass weder Heizung noch Klimaanlage benötigt wurden, schnitt der Cooper SE in Sachen Reichweite sogar etwas besser ab als erwartet; ausreichend fanden wir die Batteriekapazität trotzdem nicht. Das regenerative Bremsen lässt sich übrigens in zwei Intensitätsstufen einstellen, wobei das „Ein-Pedal-Gefühl“, bei dem das Auto beim Gaswegnehmen auch ohne Bremsen stark verzögert, im Alltag eher nervt. Man kann sich daran gewöhnen, doch uns hat die weniger aggressive Rekuperation besser gefallen.

Von außen setzt sich der Mini Cooper SE in Form grauer oder gelber Akzente auf Seitenspiegeln und Kühlergrill sowie durch seine einzigartigen 16-Zoll-Leichtmetallräder von anderen Mini-Typen ab. Man kann darauf aber auch verzichten und völlig inkognito elektrisch fahren. Im Innenraum gibt es nur wenige Unterschiede zu den konventionell angetriebenen Schwestermodellen, vor allem in Form eigenständiger Anzeigen und Skalen.

Und so präsentiert sich der Mini Cooper SE als durchaus unterhaltsame, vor allem aber ruhige und entspannte Alternative für eine vorwiegend urbane Fortbewegung, solange der Besitzer komfortablen Zugang zu Ladestationen hat. Limitierender Faktor ist bei diesem Auto die Reichweite, und die eher enttäuschenden Fahrleistungen legen die Feststellung nahe, dass die pompöse Modellbezeichnung Cooper SE vor allem durch die angestrebte Preispositionierung substantiiert wird. (ampnet/nk)

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